Sport bei COPD: Hauptsache in Bewegung bleiben!

Körperlich aktiv zu sein ist für Menschen mit COPD wichtig und gilt als ein wichtiger Baustein der Therapie. Regelmäßige Bewegung fördert die Gesundheit und Lebensqualität bei COPD.


Typische Symptome einer COPD sind Husten, bei dem zäher Schleim aus den Atemwegen befördert wird (Auswurf) und zunehmende Atemnot. Die Atemnot entsteht durch eine chronische Entzündung und Verengung der Atemwege. Zusätzlich kommt es zu einem allmählichen Abbau der Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch zwischen Lunge und Blut stattfindet. Die Lunge überbläht (Lungenemphysem) und die Lungenfunktion nimmt immer weiter ab. Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt so auch die Atemnot zu. Zu Beginn der Erkrankung merken Betroffene die Atemnot nur bei körperlicher Anstrengung. Im fortgeschrittenen Stadium der COPD tritt jedoch auch im Ruhezustand Kurzatmigkeit auf. Aufgrund der Atemnot neigen Menschen mit COPD dazu, sich körperlich zu schonen und die Kurzatmigkeit zu vermeiden.

Neuere Studien zeigen: Ausreichend Bewegung bei COPD verlängert das Leben

Alte Empfehlungen, dass Lungenkranke sich schonen sollten, sind längst überholt. Inzwischen wie man: Schonung aufgrund von Atemnot kann den Krankheitsverlauf einer COPD dramatisch beschleunigen. Es kommt zu einem Teufelskreis: Je weniger sich COPD-Patienten körperlich betätigen, desto weniger sind sie körperlich belastbar und umso mehr nimmt auch die Atemnot zu. Pro Jahr verliert ein COPD-Patient durch Vermeidung von körperlicher Aktivität ein Kilo Muskelmasse – die er dringend bräuchte. Denn auch die Atemhilfsmuskulatur wird so schwächer und es fällt so noch schwerer ausreichend Luft zu bekommen. Durch körperliche Aktivität lässt sich der Abbau der Lungenfunktion jedoch verlangsamen. Das Herz-Kreislauf-System wird ebenfalls gestärkt und kann so die Belastung durch die COPD besser verkraften. Insgesamt wird der Körper belastbarer und leistungsfähiger.

Körperliche Aktivität hebt die Stimmung

Die positive Wirkung von Sport und Bewegung auf die Stimmung können außerdem beim Rauchstopp helfen. Bewegen sich COPD-Patienten nicht ausreichend, nimmt auch ihre Lebensqualität ab. Depressionen und zunehmende soziale Isolation, weil die Teilnahme an alltäglichen Aktivitäten zunehmend schwerer fällt, sind nicht selten. Ein geeignetes Training hilft auch hier, diesen negativen Folgen einer COPD entgegenzuwirken.

Umso früher, umso besser – auch für Lebenserwartung

„COPD-Patienten sollten so früh wie möglich beginnen, sich wieder mehr körperlich zu betätigen – am besten auch schon im Frühstadium der Erkrankung“, empfiehlt daher Privatdozent Dr. Henrik Watz, er leitet an der LungenClinic Grosshansdorf bei Hamburg das Pneumologische Forschungsinstituts. Und das kann sogar die Lebenserwartung von COPD-Patienten beeinflussen: Durchschnittlich 3 Jahre gewannen Menschen mit COPD in Studien zum Thema. Auch Krankenhausaufenthalte ließen sich durch regelmäßige moderate Bewegung vermeiden.

Mix aus Ausdauer und Kräftigung der Muskulatur bei COPD ideal

Viele gute Gründe also, um trotz COPD in Bewegung zu bleiben. Doch welche Sportarten sind für Menschen mit COPD besonders geeignet? Studien belegen, dass eine Mischung aus Ausdauertraining und Krafttraining ideal für Menschen mit COPD ist. Das Ausdauertraining stärkt Herz und Gefäße und trägt zum Erhalt der Lungenfunktion bei. Krafttraining stärkt die Muskulatur.

Trainingsart und Belastung hängt auch vom COPD-Stadium ab

Im Allgemeinen gilt, dass Patienten mit einer leichten bis mittelschweren COPD vor allem von Ausdauertraining profitieren. Die Belastung sollte gleichmäßig und nicht zu hoch sein. Besonders geeignet sind daher z. B. Wandern, Nordic Walking, leichtes Joggen, Radfahren, Tanzen, Schwimmen und Gymnastik. Hierbei sollten beim Wandern aber besser keine hohen Gipfel erklommen werden – Höhenluft enthält weniger Sauerstoff und erschwert das Atmen! Bei Patienten mit einer mittelschweren bis schweren COPD spielt der Verlust an Muskelmasse eine große Rolle. Krafttraining zum Muskelaufbau kann hier ein erster Schritt sein, um fit genug für Ausdauersportarten zu werden. Patienten mit sehr schwerer COPD, starker Atemnot und Sauerstoffpatienten können auch positive Effekte durch körperliche Aktivität erzielen. Jedoch sollte dies nur im Rahmen einer Reha-Maßnahme erfolgen. Hier können sie unter ärztlicher Aufsicht an ein angemessenes Training herangeführt werden, das zu ihrem Krankheitsstadium passt.

Fitness kann in Reha aufgebaut werden

Die Teilnahme an einer Rehamaßnahme ist aber auch für Patienten in anderen Krankheitsstadien möglich. Sie kann vom Arzt verordnet werden und unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Die Europäische Lungenstiftung hat die wichtigsten Informationen in einem Faktenpapier „Rehabilitation bei Lungenerkrankungen bei Erwachsenen“ als PDF zusammen gefasst. Um die Erfolge aus der Reha aufrecht zu erhalten, müssen Patienten jedoch auch danach mindestens einmal pro Woche sportlich aktiv sein und ihren Lebensstil aktiv gestalten, ansonsten verfliegt der Effekt wieder.

Den Alltag aktiv gestalten kann bereits viel bewirken

Neben Sport tragen nämlich auch kleiner Aktivitäten zum Erhalt der Leistungsfähigkeit von Menschen mit COPD bei. Wer über den Tag verteilt immer wieder aktiv ist und z. B. Treppen steigt, statt den Lift zu nehmen oder bei kurzen Strecken auf das Auto verzichtet hat in der Summe etwas für seine Gesundheit getan.

Nicht überfordern und mit Arzt über geeignetes Training sprechen

Das Training sollte immer an die eigene Leistungsfähigkeit und den eigenen Vorlieben orientiert sein. Es ist daher ratsam, mit dem behandelnden Lungenfacharzt zu klären, welche Sportarten geeignet sind und worauf geachtet werden sollte. Der Arzt kann auch dazu beraten, welche Medikamente möglicherweise vor dem Sport eingenommen werden sollten oder für akute Beschwerden mitgenommen werden sollten.

Belastung langsam steigern und Begleiterkrankungen beachten.

Laufintensive Sportarten, wie Tennis, Fußball oder Badminton, hingegen eignen sich gerade am Anfang nicht unbedingt. Auch sollten die Bewegunsgziele am Anfang nicht zu hoch gesteckt werden. Wer die Belastung langsam steigert, vermeidet Atemnot beim Sport. Dazu trägt auch bei sich gut aufzuwärmen, sich nicht zu überanstrengen und zusätzliche Belastung durch Hitze in den Sommermonaten zu vermeiden. Notfallmedikamente sollten Menschen mit COPD, wie mit ihrem Arzt besprochen, beim Sport immer dabeihaben. Atemphysiotherapie kann zusätzlich Störungen der Atmung, die auch bei Sport und Bewegung einschränken, behandeln. Auch Begleiterkrankungen wie Herzprobleme sollten bedacht werden.

Nicht mit Menschen ohne Atemwegsbeschwerden messen

So wichtig Sport und Bewegung bei Menschen mit COPD auch sind – die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation von mindesten 150 Minuten moderater Bewegung oder 75 Minuten intensiver Bewegung können sie meist nicht bewältigen. Für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen empfiehlt die europäische Atemwegsgesellschaft EuropeanRespiratory Society (ERS) drei bis fünfmal die Woche ein moderates Training für 20 bis 60 Minuten. Ein moderates Training ist hierbei 60 % der maximalen Leistungsfähigkeit. Ein Lungenfacharzt kann helfen herauszufinden, was das für einen selbst genau bedeutet.

Angebote für Menschen mit Lungenerkrankungen: Der Lungensport

Wer lieber in der Gruppe aktiv sein möchte, für den eignen sich Lungensportgruppen. Diese Angebote sind speziell auf Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten zugeschnitten. Neben dem sozialen Kontakt und mehr Motivation haben Lungensportgruppen auch den Vorteil, dass die Übungsleiter wissen, worauf zu achten ist. Die Teilnehmer tauschen sich über ihr aktuelles Befinden aus, bestimmen ihren Peak-Flow und beenden die Sportstunden mit Entspannungsübungen. Mehr Informationen zum Thema Lungensport finden sich unter www.lungensport.org. Die Teilnahme an einer Lungensportgruppe kann auch durch einen Arzt verordnet werden, mögliche Kosten übernimmt unter bestimmten Bedingungen die Krankenkasse.

Kleine Motivationshelfer erleichtern das Dranbleiben

Eine wichtige Rolle spielt auch die Motivation – ohne sie bleibt man nicht am Ball. Hier ist es wichtig, dass Betroffene sich vor Augen führen, dass auch kleine Veränderungen im Alltag langfristig einen positiven Effekt haben. Jeden Tag eine Viertelstunde Spazierengehen oder fünf bis 10 Minuten langsames Joggen täglich kann die Lebenserwartung verlängern. Neben der bereits erwähnten Motivation durch das gemeinsame sporteln in einer Lungensportgruppe können auch aktive Familienangehörige oder Freunde einen unterstützen. Kleine Motivationshelferlein sind auch Schrittzähler, Bewegungsapps oder ein Aktivitätstagebuch.

Hauptsache in Bewegung bleiben!

Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport können für Menschen mit COPD lebenswichtig sein. Sie verbessern die Gesundheit und Lebensqualität, reduzieren Atemnot, verlangsamen das Voranschreiten der Erkrankung und können die Lebenserwartung der Patienten verlängern. Menschen mit COPD, die regelmäßig aktiv sind, fällt es leichter, am alltäglichen Leben teilzunehmen. Bei COPD bietet sich besonders eine Mischung aus Ausdauertraining und Kräftigungsübungen an, um den Folgen der COPD entgegenzuwirken. Welche Sportarten und wie viel körperliche Aktivität geeignet ist, sollte gemeinsam mit einem Lungenfacharzt ermittelt werden. Er kann aufzeigen, was wichtig ist, wie z. B. Notfallmedikamente. Auch Menschen mit weit fortgeschrittener COPD profitieren noch von körperlicher Aktivität, sollten jedoch zunächst in einer Reha an das Training herangeführt werden. Für mehr Motivation können die Teilnahme an einer Lungensportgruppe, aktive Menschen aus dem eigenen Umfeld oder aber auch Schrittzähler, Bewegungsapps oder ein Aktivitätstagebuch hilfreich sein. COPD-Patienten profitieren davon, so früh wie möglich aktiv zu werden – und in Bewegung zu bleiben.